Über Bernstein
Bernstein, "Brennstein", bezeichnet einen klaren bis
undurchsichtigen gelben Schmuckstein aus fossilem
Harz, aus dem auch ein Holzlack hergestellt wird. Der
madagassische Bernstein kann durch chemische
Einschlüsse sogar grünlich bis
bläulich gefärbt sein - diese seltenen
Varietäten sind extrem begehrt und teuer.
Bernstein ist bis zu 260 Millionen Jahre alt. Aus
dem zähflüssigen Harz damals lebender
Bäume wurde im Laufe der Zeit eine feste
Substanz. Somit ist Bern"stein" nicht mineralisch und
zählt folglich streng genommen auch nicht zu den
Edelsteinen.
Bernstein gehört zu den ältesten
Schmucksteinen. Einige alt-ägyptische Objekte
sind über 6000 Jahre alt. Das wohl
berühmteste Kunstobjekt aus Bernstein war das
Bernsteinzimmer, das seit dem Zweiten Weltkrieg
verschwunden ist. Im Jahr 2004 hat man das
Bernsteinzimmer nachgebaut, nachdem bisher unbekannte
Fotoaufnahmen gefunden wurden.
Für die Wissenschaft, insbesondere für die
Paläontologie, ist Bernstein mit
Einschlüssen, so genannten Inklusen, von
Interesse. Diese Einschlüsse sind Fossilien von
kleinen Tieren oder Pflanzenteilen, die im Bernstein
konserviert wurden.
Etymologie
Die deutsche Bezeichnung Bernstein leitet sich vom
mittelniederdeutschen Börnen (brennen)
beziehungsweise Bernestein ab, und ist auf die
auffällige Brennbarkeit dieses "Steins"
zurückzuführen.
In der Antike wurde er auch als Lyncurium
(Luchsstein) bezeichnet, da man annahm, er wäre
aus dem Harn des Luchses entstanden, der bei starker
Sonneneinstrahlung hart geworden wäre. Der
griechische Name des Bernsteins ist Elektron. Da
Bernstein elektrostatisch aufgeladen werden kann,
wurden frühe Versuche zur Elektrizität mit
Bernstein durchgeführt. Bernstein wurde daher
zum Namensgeber für das Elementarteilchen
Elektron und die Elektrizität. Die Römer
nannten den Bernstein sucinum ("Saft") in der
richtigen Vermutung, er sei aus Baumsaft entstanden.
Die germanische Bezeichnung des Bernsteins lautete
nach Plinius glaes (um) (Glas). Ein anderer
Name für Bernstein lautet "gelbe Ambra".
Bernsteinvarianten
Als Rohbernstein bezeichnet man
Bernstein, der noch seine Verwitterungskruste
trägt und nicht geschliffen, poliert oder auf
eine andere Weise künstlich verändert
wurde. Naturbernstein ist dagegen
ein geschliffener und polierter Bernstein, dessen
Struktur und Farbe jedoch nicht künstlich
verändert wurden. Es ist somit ein
unverändertes Naturprodukt.
Pressbernstein wird im Handel als
"Echtbernstein", "Echter Bernstein" oder "Ambroid"
angeboten. Damit ist jedoch nicht der natürlich
entstandene Bernstein gemeint, sondern ein Produkt,
das aus Schleifresten und kleinen Stücken
gefertigt wurde. Pressbernstein wird hergestellt,
indem gereinigte Bernsteinbröckchen erwärmt
und dann unter starken hydraulischen Druck
zusammengepresst werden. Dies geschieht unter
Luftabschluss und bei einer Temperatur von 200-250
°C. Danach wird die so entstandene stangen- oder
bogenförmige Masse bei bis zu 3000 Bar Druck
verfestigt. Durch Variationen in Hitze und Druck
lassen sich nicht nur unterschiedliche Farbtöne,
sondern auch klare und trübe Pressbernsteine
herstellen. Neben diesen drei Arten von Bernstein
wird im Handel auch "Echtbernstein extra" angeboten,
der aufgrund seiner unregelmäßigen Blitzer
und seiner geringen und feingliedrigen
Schlierenverteilung visuell kaum vom Naturbernstein
zu unterscheiden ist. Er kann nur durch gemmologische
Untersuchungsmethoden eindeutig bestimmt werden.
Kopale sind noch nicht völlig
zu Bernstein umgebildete erstarrte Harze, die in den
Deltas tropischer Flüsse zusammengeschwemmt
werden, z. B. in Afrika. Sie sind höchstens
einige zehntausende von Jahren alt und enthalten
durchaus auch Einschlüsse. Sie beginnen bei
Wärme klebrig zu werden. Kommen sie mit
Äther in Berührung, werden ihre
Oberflächen innerhalb kurzer Zeit weich, klebrig
und schmierig. Die benetzten Stellen quellen auf.
Eigenschaften
Farbe: Bernstein ist meistens hell-
bis goldgelb und altert zu rötlich- oder
bräunlich-gelb, im Extremfall zu Rottönen.
Trüber Bernstein kann weißgelb oder
weiß sein. Je nach Verschmutzung oder
Schwefeleisenbildung in Spalten werden die Farben
dunkler. Selten sind die blaugrün schimmernden
Bernsteine.
Brennbarkeit: Bernstein kann im
Gegensatz zu Kunstharzimitationen leicht
angezündet werden und zeigt während des
Brennens eine helle Flamme, die stark rußt.
Dabei duftet er harzig-aromatisch und verläuft
an der Flamme zu einer schwarzen, spröde
erhärtenden Masse. Daher eignet er sich zum
Räuchern und wird zum Beispiel in Indien als
Weihrauch-Ersatz für sakrale Zwecke
verwandt.
Elektrostatik: Bernstein kann man
elektrostatisch aufladen, wenn man ihn in trockener
Umgebung an textilem Gewebe oder Wolle reibt. Man
bezeichnet diese Aufladung auch als
Reibungselektrizität. Diese Eigenschaft kann als
einfacher und zerstörungsfreier Echtheitstest
verwendet werden: Der aufgeladene Bernstein zieht
kleine Papierschnipsel, Stofffasern oder Wollfussel
an.
Dichte: Bernstein ist nur wenig
schwerer als Wasser. Wegen seiner geringen Dichte (um
1,07) geht er in Süßwasser zwar sofort
unter, schwimmt aber in stark salzhaltigem Wasser,
zum Beispiel in gesättigter Kochsalzlösung.
Diese Eigenschaft erleichtert das Sammeln und
Aussortieren ganz wesentlich.
Härte: Bernstein hat eine
Härte von 2-2,5 (Mohs-Härte) und ist damit
ein recht weiches Material. Daher ist es
möglich, mit einer Stecknadel eine Furche in die
Oberfläche des "Steins" zu ritzen. Glas und
Stein sind deutlich härter.
Lichtbrechung: Bernstein
glänzt, wenn er feucht oder geschliffen ist, da
er mit einer geschlossenen Oberfläche eine hohe
Lichtbrechung aufweist.
Verwitterung: Bernstein verwittert
ständig, besonders durch Luftsauerstoff und
Lichteinwirkung. Dabei dunkelt er in den
äußeren Schichten nach. Gleichzeitig
bilden sich von der Oberfläche und vorhandenen
Hohlräumen ausgehend kleine, fast kreisrunde
Risse, die Sonnenflinten, die mit der Zeit zu einer
rauen und bröckligen Oberfläche des
Bernsteins führen. Dadurch können auch
eventuell vorhandene Einschlüsse zerstört
werden.
Sonstiges: Naturbernstein reagiert
nur an der Oberfläche mit Äther. Bei
längerer Einwirkungsdauer wird sie matt.
Pressbernstein ist weniger widerstandsfähig. Er
wird bei längerem Kontakt mit Äther teigig
und weich. Dasselbe gilt prinzipiell auch für
Kopal und Kunstharz, nur dass hier schon ein
wesentlich kürzerer Kontakt ausreicht.
Alter und weltweites Vorkommen des
Bernsteins
Man unterscheidet nach Ursprung, Alter, und der
produzierenden Pflanze verschiedene Arten von
Bernstein.
Am bekanntesten sind der baltische Bernstein
(Ostsee, ca. 40-50 Millionen Jahre alt,
Bernsteinkiefer), der Madagaskar-Bernstein
(Madagaskar, 1.000-10.000 Jahre alt, Bernsteinpinie)
und der insbesondere durch seine Klarheit und seinen
Reichtum an fossilen Einschlüssen bekannte
"Dominican Amber" aus der Dominikanischen Republik
(Laubbaum "El Algorobo" vor 25 Millionen Jahren). Die
ältesten Bernsteine sind sporadisch aus dem
Devon bekannt.
Die größten Lagerstätten von
Bernstein befinden sich bei Jantarny (Palmicken) an
der Bernsteinküste der Ostsee (Samland)
nordwestlich Kaliningrads (Königsberg), an der
Ostsee in Russland, und in der Mark Brandenburg. Aber
auch in Bitterfeld wurde zu Zeiten der DDR Bernstein
systematisch abgebaut. Die Ostsee-Vorkommen
erwähnt auch Tacitus in seiner Germania. Er
spricht vom Volk der Aesti, das mit Bernstein
handle.
Auch an der niederländischen, deutschen und
dänischen Nordseeküste kann Bernstein nach
Stürmen gefunden werden.
In Deutschland gibt es große Vorkommen in
märkischen Gebieten - z.B. im Naturpark Barnim
zwischen Berlin und Eberswalde. Man fand sie in
Tal-Sandflächen des nach Thorn ziehenden
Urstromtales bei Regulierungen und Kanalbau.
Archäologen vermuten nahe der Grenze zum
heutigen Polen ein Handelszentrum.
Die Entstehung des baltischen
Bernsteins
Der baltische Bernstein ist der bedeutendste und am
besten erforschte Bernstein. Man findet ihn an den
Küsten der Ost- und Nordsee und in Samland in
der "blauen Erde". Der baltische Bernstein ist im
Alt-Tertiär vor ca. 40-50 Millionen Jahren im
Gebiet von Mittelschweden/Finnland entstanden. Damals
erstreckte sich der so genannte Bernsteinwald in
einem breiten Gürtel von Ost nach West bis an
die Küste. Deren Verlauf war jedoch anders als
heute, so dass das heutige Dänemark,
Südschweden und Norddeutschland im Wasser lagen,
während das heutige Polen und Norwegen durch die
Küstenlinie verbunden waren, die in etwa an der
Oder verlief. Auch die Ostsee selbst gab es damals
noch nicht. So ist zu erklären, dass der
baltische Bernstein auch an der heutigen
Nordseeküste zu finden ist.
Der Bernstein entstand, indem im Eozän das Harz
aus den Kiefern strömte, vermutlich nach
vorheriger Verletzung der Borke, eintrocknete und
erhärtete. Es sind verschiedene Flussformen
bekannt:
Schlauben entstanden, als Harz
schubweise austrat und die vorherigen
Harzablagerungen überdeckte. Sie sind vielfach
voller Verschmutzungen, seltener milchig und bergen
die meisten Einschlüsse.
Zapfen entstanden aus
Harztropfen, die vor dem Herunterfallen am eigenen
Tropfenfaden erstarrten. Erneute Harzflüsse
können zu dickeren Harz-Stalaktiten führen.
Sie enthalten oft Einschlüsse. Typisch ist eine
abgeflacht rundliche Perlenform.
Knochen nennt man eine
Bernsteinsorte, die so viele mikroskopisch kleine
Blasen enthält, dass sie rahmweiß
aussieht. Sie enthält keine erkennbaren
Einschlüsse.
Bastard wird eine häufige
Bernsteinsorte genannt, die von zahllosen Blasen
derart getrübt ist, dass sie undurchsichtig und
milchig wirkt. Die Farben liegen meistens zwischen
gelblichweiß und ockergelb. Diese Sorte
enthält selten Einschlüsse.
Flomen bezeichnet einen
eigentlich klaren Bernstein, der von vielen
mittelgroßen Blasen deutlich getrübt ist.
Bei geeigneter Sichtmöglichkeit findet man
gelegentlich Einschlüsse.
Die Nadelwälder des frühen Tertiärs
versanken vor 40 bis 50 Millionen Jahren in
Sümpfen und wurden später von Erde, Sand
und Gesteinsschichten bedeckt. Dabei entstand
Braunkohle mit darin eingeschlossenen Harz, das sich
unter dem Druck und Luftabschluss entwässerte.
Dieser Prozess führte zur Oxidation der
organischen Kohlenstoffmoleküle. Mit der Zeit
bildete sich aus dem Harz der Bernstein.
Bernstein-Einschlüsse
(Inklusen)
Im erstarrten Harz des Bernsteins finden sich
konservierte Lebensformen, die vor Millionen von
Jahren auf der Erde in Wäldern gelebt haben:
Zum einen gibt es Tiere in den Inklusen: viele
verschiedene Gliederfüßer (vor allem
Fliegen, Mücken, Libellen, Stechmücken,
Ohrwürmer, Tausendfüßler, Termiten,
Flöhe, Heuschrecken, Zikaden, Asseln, und
Spinnen) sowie Würmer, vereinzelt aber auch
Krustentiere, Schnecken, Vogelfedern und Haare von
Säugetieren.
Zum anderen gibt es auch eine Vielzahl von
pflanzlichen Inklusen: Schimmelpilze, Moose und
Flechten, aber auch Pflanzenteile, die von
Lärchen, Fichten, Tannen, Palmen, Zypressen,
Eiben und Eichen stammen. Manchmal werden auch
Inklusen mit Wassertropfen oder Lufteinschlüssen
entdeckt.
Obwohl die Artenvielfalt in der Zeit, als der
Bernstein entstand, relativ groß war, sind
Inklusenfunde selten. Nur etwa jedes 500.
Bernsteinstück hat einen Einschluss, wobei in
den Funden oft nur Fragmente der eingeschlossenen
Lebewesen vorliegen. Häufig sind die Inklusen
auch beschädigt. Deshalb sind Stücke mit
vollständig erhaltenen Zeugnissen des damaligen
Lebens besonders wertvoll.
Damit Harz zu Bernstein und ein eingeschlossenes
Lebewesen oder ein Fremdkörper zur Inkluse wird,
müssen folgende Voraussetzungen erfüllt
sein:
1. Das Insekt (oder die Pflanze) muss formstabil
bleiben, bis das Harz erhärtet ist.
2. Das Harz darf während des Erhärtens
nicht schrumpfen und auch nicht durch später
auflastende Gesteine beansprucht werden.
3. Das Harz muss durch Sonnen- und Hitzeeinwirkung
auf natürliche Weise geklärt werden.
Ist das Insekt von Nachfließendem Harz
umschlossen, beginnt der Abbau der Weichteile in
seinem Körperinneren. Dabei treten Muskeln,
Drüsen und Körperflüssigkeit durch
Mund, After und Körperwahndung aus. Deshalb ist
die Umgebung der Inklusen häufig
milchig-trübe. Mit der Zersetzung der Weichteile
setzt bereits die Erhärtung des Harzes ein. Sind
diese Prozesse beendet und ist das Harz im Waldboden
eingebettet, so wird nach Millionen von Jahren das
Harz zu Bernstein und das Insekt zur Inkluse.
Geschichtliche Bedeutung
Der Bernstein hat den Menschen schon immer
fasziniert. Er galt in allen bedeutenden Dynastien
und zu allen Zeiten als Zeichen von Luxus und
Macht.
Steinzeit
Der Bernstein wurde bereits in der Steinzeit
verarbeitet und verziert. Bereits um ca. 10000
v.Chr., das heißt zur ausgehenden Eiszeit,
wurde er in Nordfriesland zu Anhängern
verarbeitet. Auch um 8000-5500 v.Chr. war er ein
besonders begehrter Schmuck, der in Dänemark und
dem südlichen Ostseegebiet zur Herstellung von
Statushebenden Tieramuletten und Schnitzereien mit
eingravierten Tiermotiven genutzt wurde. Schamanen
nutzen ihn auch als Weihrauch, so dass ihm eine
rituelle Bedeutung zukam. Dies änderte sich auch
nicht, als aus den Jägern um 3500-1500 v.Chr.
(Neolithikum) Bauern wurden. Diese begannen nun im
großem Maße ihn zu sammeln, zu opfern und
ihn zu verstecken (Bernstein-Depotfunde in
Jütland). Weiterhin wurde er zu Ketten und
Anhängern verarbeitet und den Toten mit in die
Gräber gegeben. Die Erbauer der
Großsteingräber fertigten die für sie
typischen Streitaxt-Nachbildungen aus Bernstein.
Bronzezeit
In der Bronzezeit nahm das Interesse an der
Bernsteinverarbeitung zunächst ab, obwohl er
immer noch eine beliebte Grabbeigabe blieb. Der
Collierfund in einem Urnengrab von Ingolstadt, eine
opulente Halskette, muss damals von
unschätzbarem Wert gewesen sein. Warum das
Collier in einem Tonkrug vergraben wurde, ist bis
heute nicht geklärt. Bernstein war neben Salz
und Rohmetall (Bronze und Zinn) eines der
begehrtesten und wichtigsten Handelsgüter. In
Hortfunden und Gräbern taucht er
regelmäßig mit auf. Durch ihn sind auch
weitreichende Handelsbeziehungen nachgewiesen wurden.
Zwei breite Goldringe, in die je eine
Bernsteinscheibe eingelassen war, fanden sich in
Südengland (Zinnvorkommen), und ein beinahe
identisches Exemplar ist aus der griechischen
Bronzezeitmetropole Mykene bekannt (Blütezeit im
12. Jh. v.Chr.). Auch in einem
frühbronzezeitlichen (um 1700 v.Chr.) Hortfund
von Dieskau. Lkr. Saalkreis (Salzvorkommen) befand
sich eine Kette aus Bernsteinperlen.
Eisenzeit
In der Eisenzeit gewann der Bernstein durch die
Wertschätzung der Griechen und Römer wieder
an Bedeutung. Diese schätzten den Bernstein als
Edelstein ebenso wie die Phönizier, Mykener und
Ägypter, die ihn als Tauschmittel für
Luxusgüter aller Art nutzten, wie bei Homer
erwähnt und beschrieben. Zur Zeit der Wikinger
war er wieder ein begehrtes Material, das als
Räucherwerk benutzt oder kunstvoll verarbeitet
wurde. Aus dieser Zeit sind beispielsweise Funde von
Perlen für gemischte Ketten, Spinnwirtel,
Spielbrettfiguren und Würfel aus Bernstein
bekannt.
Griechisch-römische Antike
In der griechisch-römischen Antike wurde
erkannt, dass Bernstein sich elektrostatisch aufladen
kann. Der griechische Philosoph Aristoteles berichtet
darüber. Außerdem soll er mit Pytheas von
Massila um 334 v.Chr. die so genannten
Bernsteininseln, das heißt die west-, ost- und
nordfriesischen Inseln, aufgesucht haben. Man nennt
diese Inseln auch die Elektriden. Die Römer
Tacitus und Plinius schrieben auch über den
Bernstein sowie seine Herkunft und seinen Handel.
Kaiser Nero soll Bernstein in großen Mengen zu
Repräsentationszwecken genutzt haben. Im Rom der
Kaiserzeit trieb nicht nur der Kaiser, sondern auch
das Volk mit dem Bernstein einen ungeheuren Luxus.
Man trank aus Bernsteingefäßen, er zierte
alles, was von Wert war, und wohlhabende Frauen
färbten ihr Haar bernsteinfarben. In der
römischen Antike wurde zudem der Handel mit
samländischen Bernstein erschlossen.
Mittelalter
Im Mittelalter und für katholische Gebiete auch
danach wurde der Bernstein hauptsächlich zur
Herstellung von Rosenkranz-Gebetsketten genutzt. Der
Deutsche Orden sicherte sich in dieser Zeit das Recht
auf allen Bernstein Ost- und Westpreußens, weil
er damit viel verdienen konnte. Dieses so genannte
"Bernsteinregal" brachte ihm seinen Reichtum ein.
Später ging es auf den jeweiligen Landesherrn
über. Als ein Verstoß dagegen konnte das
Sammeln und der Verkauf von Bernstein auf eigene
Rechnung mit dem Tod bestraft werden. In
abgemilderter Form galt das Gesetz bis 1945.
Neuzeit
In der Neuzeit wurde Bernstein nach alter Tradition
zu Schmuck verarbeitet, aber auch für
Schatullen, Spielsteine und -bretter, Intarsien,
Pfeifenmundstücke und andere repräsentative
Sachen verwendet.
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20.
Jahrhunderts wird Bernstein vor allem von der
Sowjetunion, Estland, Lettland und Litauen
exportiert. Im Jahre 1837 überließ der
preußische König Friedrich Wilhelm III.
die gesamte Bernsteinnutzung von Danzig bis Memel
gegen die Summe von 30000 Mark den Gemeinden des
Samlandes. Um 1970 senkte die Sowjetunion die
Jahreslieferung von zehn Tonnen auf eine herunter.
Der Hauptabnehmer der Importware, VEB Ostseeschmuck,
forderte daraufhin die Bürger der DDR durch
Zeitungsanzeigen auf, Bernstein nach
Ribnitz-Damgarten zu schicken. Da die meisten
Zusendungen von Bitterfelder Bergleuten kamen,
beauftragte der Betrieb Geologen, den
Braunkohletagebau Bitterfeld zu untersuchen. Da sie
fündig wurden, wurde Bitterfeld zum
Bernsteintagebau.
In der chemischen Industrie wird Bernstein im 20.
Jahrhundert und 21. Jahrhundert für die
Herstellung von Lacken und Ölen verwendet.
Pressbernstein eignet sich für die industrielle
Weiterverarbeitung von Gebrauchsgegenständen und
als Isolator, da sein elektrischer Widerstand
größer als der von Porzellan ist.
Legendäre Heilkräfte und
Schutzzauber
Bernstein wird seit alter Zeit als Heilmittel
eingesetzt. So schreibt Plinius der Ältere in
seiner Naturalis historia, dass auf der Haut
getragenen Bernsteinamulette vor Fieber
schützen. Der Glaube an die "Kraft des Steins"
findet sich auch in magischen Vorstellungen der
Neuzeit wieder. Etwa wenn empfohlen wird, Ehefrauen
nachts Bernstein auf die Brust zu legen, um sie so
zum Gestehen schlechter Taten zu bringen. Im
Volksaberglauben gilt Bernstein als Schutz vor
bösem Zauber und soll Dämonen, Hexen und
Trolle vertreiben.
Zermahlener Bernstein wurde innerlich gegen
verschiedene Krankheiten eingesetzt, so unter anderem
bei Nieren-, Gallen-, Leberkrankheiten, bei Problemen
im Magenbereich und des Verdauungssystems. Daneben
nutzte man ihn als Räuchermittel. Ab dem 19.
Jahrhundert wurde das aus Bernstein gewonnene
Bernsteinöl zum Einreiben bei Rheuma
verwendet.
In der Esoterik gilt Bernstein bis heute als "Heil-
und Schutzstein", der Ängste nehmen und
Lebensfreude schenken soll. Um seine volle Wirkung zu
entfalten, soll er lange ohne Unterbrechung auf der
Haut getragen werden.
Verarbeitung und Pflege von
Bernstein
Bernstein wurde schon in der Steinzeit bearbeitet.
Jeder kann dies ohne großen maschinellen
Aufwand bewerkstelligen.
Werkzeug
Zur Bearbeitung von Bernstein wird
Nass-Schleifpapier mit Körnungen von 80 bis 1000
gebraucht, sowie Nadelfeilen mit Hub 1 und 2,
Schlämmkreide (Alternative: Zahnpasta),
Brennspiritus, Wasser, Leinen- bzw. Baumwolllappen,
Fensterleder (Ledertuch), eine kleine Bohrmaschine
und Spiralbohrer (max. 1mm), eine mittelstarke
Laubsäge (zum Zerschneiden großer
Bernsteinstücke) und eine Angelsehne (zum
Auffädeln einer Kette). Im Umgang mit den
Geräten ist Vorsicht geboten.
Anleitung
1. Feilen und Schleifen: Die
unerwünschte Verwitterungskruste wird mit der
Nadelfeile oder Nass-Schleifpapier der Körnung
80 bis 120 entfernt. Zum Aufbau des Schliffs werden
mit dem Bernstein oder dem Schleifpapier kreisende
Bewegungen ausgeführt. Dabei wird die
Körnung stufenweise bis 1000 erhöht. Diese
Bearbeitung erfordert etwas Geduld, da die
gröberen Schleifspuren des vorherigen
Schleifpapiers glatt geschliffen sein müssen,
bevor die nächst feinere Körnung benutzt
werden kann. Zudem sollte der Bernstein vor jedem
Wechsel des Schleifpapiers gründlich mit Wasser
abgespült werden, um ihn nicht zu
überhitzen (dadurch kann eine klebrige
Oberfläche entstehen) und um Kratzer zu
vermeiden.
2. Polieren: Die Politur ist der
letzte Arbeitsgang beim Schleifen. Dazu wird ein
Leinen- bzw. Baumwolltuch mit Spiritus angefeuchtet
und mit Schlämmkreide bestrichen. Mit dem so
präparierten Tuch wird der Bernstein in
kreisenden Bewegungen poliert und anschließend
unter Wasser ausgewaschen. Zum Schluss wird der
Bernstein mit einem Fensterleder nachpoliert.
3. Bohren: Der Bohrer wird in eine
elektrische Handbohrmaschine eingespannt. Die
verwendete Drehzahl sollte niedrig sein und eine
gewisse Übung in der Handhabung von Bohrern ist
nicht nur aus Sicherheitsgründen von Vorteil,
sondern auch weil dabei große Vorsicht geboten
ist. Der Bohrer darf nicht verkannten oder mit
großem Druck durch den Bernstein getrieben
werden, da Bernstein sehr druckempfindlich ist und
damit die Gefahr, dass er bricht, sehr groß
ist. Sollte der Bernstein doch einmal brechen, hilft
ein handelsüblicher Sekundenkleber.
Tipp: Matte, wenig glänzende,
stumpfe oder ältere Bernsteine bekommen mit
etwas Möbelwachs einen schönen Glanz.
Pflege
Bernstein sollte regelmäßig unter
fließend warmem Wasser gespült und nicht
in die Sonne gelegt werden, da er schnell
brüchig wird. Außerdem sollte man ihn vor
Seife und Putzmitteln schützen, da ihn diese
zerstören.
Fälschungen und
Manipulationen
Schon im 18. Jahrhundert wurden
Bernsteineinschlüsse gefälscht. Man
versuchte damals, Tiere wie Frösche oder
Eidechsen als Inklusen im Bernstein unterzubringen,
eine Praxis, die auch heutzutage noch gang und
gäbe ist.
Bisweilen wird auch der Bernstein selbst
gefälscht. Abgesehen von ihrem Brenngeruch und
ihrer geringen Härte bzw. Dichte sind manche
Bernsteinsorten nur schwer von entsprechend
gefärbten Kunststoffen zu unterscheiden.
Häufig werden auch Mischungen von Bernstein und
Kunstharzen als Bernstein angeboten. Sie sind jedoch
durch die deutlich abgesetzten, eingegossenen
Bernsteinstücke leicht zu erkennen.
Zum Prüfen, ob es sich bei einem Bernstein um
ein Original oder ein Imitat handelt, kann eine
glühende Nadel verwendet werden. Diese hält
man an den Stein und zieht sie mit etwas Druck
darüber. Bildet sich eine Rille und wird der
Stein schmierig bzw. riecht er harzig, während
die Nadel an einer Stelle bleibt, ist es Bernstein.
Andernfalls ist es ein Imitat.
Künstlich geklärte Bernsteine sind keine
Seltenheit. Dabei werden trübe Naturbernsteine
(95% der Naturbernsteine) über mehrere Tage
langsam in Rüb- oder Leinsamenöl
erwärmt, um sie zu klären. Durch geschickte
Temperaturregelung während des
Klärungsprozesses können auch
Sonnenflinten, Sonnensprünge und Blitzer, die in
Naturbernsteinen äußerst selten vorkommen,
gezielt hergestellt werden. Oft wird auch ein hohes
Alter des Steins vorgetäuscht. Beim so genannten
Antikisieren wird das Material in einem elektrischen
Ofen in gereinigtem Sand mehrere Stunden auf 100
°C erhitzt, um einen warmen Braunton zu erzeugen.
Alle diese Manipulationen sind leider nur schwer
nachzuweisen.
Bernstein wird oft mit durchscheinendem gelbem
Feuerstein verwechselt, dessen Oberfläche auch
glänzt. Aber im Gegensatz zum leichten und
warmen Bernstein ist Feuerstein kalt und härter
als Glas. Um selbst gefundene Bernsteine von
Feuerstein zu unterscheiden (bei kleineren Splittern
ist das Gewicht nicht ohne weiteres zu bestimmen),
kann man den Stein vorsichtig gegen einen Zahn
schlagen. Gibt dies einen weichen Ton, wie er zum
Beispiel entsteht, wenn man mit dem Fingernagel gegen
den Zahn schlägt, so ist es kein Feuerstein.
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